Corona Tagebuch 6 – Corona Camp Nr. 2

27. März 2020

Wir sind froh, nach einem langen Tag bei Bob anzukommen. Sein Grundstück ist verwildert, aber schön. Es hat einen kleinen Platz mit einem grossen Tisch und ein paar Bänken rundherum. Nebenan ist ein kleiner See. Wir werden nie in diesem See baden. Einerseits sieht er verschmutzt aus, aber noch viel mehr hält uns vom Baden ab, dass Piranhas im Wasser leben. Sein Haus liegt etwas abseits weiter hinten am See. Bob ist ursprünglich aus Kanada und lebt schon lange in Laos. Er wohnt hier mit seiner laotischen Frau. Der Platz ist für uns ideal. Wir haben eine einfache Toilette mit Dusche, eine grosses Abwaschbecken und genügend Platz für unsere drei Fahrzeuge. Wir stehen unter vielen Bäumen den ganzen Tag im Schatten. Wir sind froh, denn die Temperaturen werden in den nächsten Wochen steigen und steigen. Man sagte uns bis über 40 Grad sei normal.

Der erste Abend ist feuchtfröhlich. Wir merken schnell, Bob trinkt gerne Bier. Das Bier wird uns hier nicht ausgehen, denn es wird von einem in Schutzkleidung vermummten Laoten inklusive Eis geliefert und das zu einem Vorzugspreis von etwa 12 CHF für zwölf grosse Flaschen Bier mit einem Fassungsvermögen von 65 cl. Wenigstens ist das Bier billig. Für mich, Anja, ist es schwierig. Ich sitze hier unter lauter französisch Sprechenden. Mein Französisch ist oft zu schlecht, um den Muttersprachlern bei ihren Gesprächen folgen zu können.

Viele Ideen entstehen, was wir noch verbessern können. Bob versichert uns, wir können machen, was wir wollen. Denn er werde das Grundstück in einigen Monaten verkaufen. Einige sind froh, eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Ich nutze die Zeit, Russisch zu lernen und Bücher zu lesen.

28. März 2020

Um neun Uhr wachen wir auf, weil wir eine Kreissäge hören. Ich schaue aus dem Fenster und sehe, dass alle schon aktiv sind. Jean-Claude hat Holz gesucht und zersägt es nun damit wir Brennholz für den Pizzaofen haben. Lea und Melvin sind das ganze Laub um ihren Van am Zusammenrechen. Wir stehen auch bald auf, essen Frühstück und wischen dann ebenfalls das Laub um Rosie herum zusammen. Das sieht doch schon viel ordentlicher aus.

Die Toilette ist einfach. Eine Sitztoilette ohne Spülung steht in einem schiefen, betonierten Häuschen. Unter dem tröpfelnden Wasserhahn steht ein Eimer und daneben liegt ein Becher. Wie in Laos oft üblich, spült man seine Hinterlassenschaften mit einigen Bechern Wasser hinunter. Es hat zwar einen Duschschlauch, aber daran fehlt die Brause, weshalb Melvin und Lea ihren Duschkopf installieren damit wir gemütlich duschen können.

Ideen kommen auf, Kartoffeln anzupflanzen oder einen Pool zu bauen. Ich bin gespannt. Wenn wir hier einige Monate bleiben müssen, wird sich hier mit all den kreativen Köpfen wohl viel verändern.

28. März 2020

Melvin hat das Badezimmer mit Kalkfarbe weiss gestrichen und der Bierlieferant liefert immer noch Bier in Vollmontur.

29. März 2020

Wir haben ein schönes Leben hier. Im grossen Pizzaofen backen wir die selbstgemachten Pizza. Sandra, die in Laos lebt, schickt uns Informationen zum geplanten Lockdown in Laos.

Heute kommt die Dorfpolizei und der Dorfvorsteher zu Besuch. Sie versichern uns, dass wir bei Bob bleiben dürfen, aber in Quarantäne gehen müssen. Das heisst, wir dürfen das Grundstück nicht verlassen und Bob muss für uns einkaufen gehen.

Am Abend erfahren wir offiziell vom Lockdown in Laos. Wir sind jedoch wenig überrascht, haben wir doch schon davon gehört und uns darauf eingestellt, lange Zeit bei Bob bleiben zu müssen.

30. März 2020

Es wird immer wärmer hier. Mittlerweile haben wir um die 38 Grad und das wohl für mehrere Tage hintereinander. Wir machen deshalb nicht viel und bewegen uns kaum.

31 März 2020 bis 5. April 2020

Wir haben uns langsam an das Zusammenleben gewöhnt und sind bei den weiterhin hohen Temperaturen nicht sehr aktiv.

Die Männer haben alte Autoreifen aufeinander gestapelt, mit Erde gefüllt und Kartoffeln angepflanzt. Wann wir sie wohl ernten werden?

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