Corona Tagebuch 3 – Eine wichtige Entscheidung steht bevor

17. März 2020

Wir verlassen die Hauptstadt Vientiane und fahren etwas südöstlich, wo wir ein gemütliches, einsames Plätzchen an einem Fluss finden. Neben den Temperaturen, die aber im ganzen Land weiter ansteigen, ist der Platz ideal. Wir stehen direkt an einem Fluss und haben somit eine Wasserquelle. Wir sehen hier zudem kaum Leute. Innerhalb von zehn Tagen sahen wir nur eine Hand voll Einheimische.

18. März 2020

Wir fühlen uns an unserem neuen Ort sicher vor dem Virus. Wir geniessen die Stille und die Ruhe.

Heute beschliesst Laos Einreisebeschränkungen. Einreisende müssen neu 14 Tage in Selbstquarantäne. Nach wie vor gibt es keine offiziell bestätigten Virusfälle in Laos.

19. März 2020

Die berühmte Kong Lor Höhle liegt nur eine Stunde von uns entfernt. Die Höhle ist 7.5 km lang und kann per Boot durchfahren werden. Wir lassen es uns nicht nehmen, dorthin zu fahren, um zu schauen, wie viele Leute es hat. Als wir ankommen, sehen wir, dass die Höhle offen ist und es zu unserem Glück kaum Besucher hat. Nur mit unserem Bootsführer haben wir engeren Kontakt, denn das Boot haben wir ganz für uns alleine. Wir schätzen die Gefahr einer Ansteckung gering ein und entscheiden uns, die einstündige Bootsfahrt durch die Höhle, zu machen. Es wird unser letztes Touristenprogramm für eine lange Zeit sein. Wir fahren knapp eine halbe Stunde mit dem Boot durch die Höhle und können das Boot einmal verlassen, um auf einer Sandbank mehrere Kalksteinformationen zu bestaunen. Ansonsten fahren wir durch dunkle Gänge, die nur von unseren Stirnlampen beleuchtet werden. Immer wieder hören wir Wasser plätschern. Vom Dach der Höhle sprudeln Wasserfälle in die Tiefe. Das Wasser hat sich über lange Zeit durch den Berg gefressen. Bevor wir die Wasserfälle mit unseren Taschenlampen entdecken, hören wir das Wasserplätschern und spüren die Wassertropfen. Die Höhle führt durch einen Berg auf dessen anderen Seite sich ein Dorf befindet. Wir verlassen kurz das Boot, bevor wir die dreissigminütige Rückfahrt in Angriff nehmen.

Nach der Besichtigung fahren wir zurück zu unserem Plätzchen am Fluss. Dort telefonieren wir am Abend mit Johanna und Malte. Die beiden Deutschen sind mit ihrem Van von Deutschland über Russland, Mongolei und China nach Laos gefahren. Kennengelernt haben wir sie in Pattaya, Thailand, und verbrachten danach einige gemütliche Tage mit ihnen am Meer. Mitte Februar sind sie durch Myanmar gefahren, um nach Indien zu gelangen. Sie haben sich entschieden, nach Deutschland zurückzukehren. Zu viele negative Berichte haben sie von anderen Reisenden in Indien gehört und zu viele eigene unangenehme Erfahrungen haben sie gemacht.. Die Inder geben den Europäern Schuld an der Pandemie. Johanna und Malte wurden bei vielen Hotels abgewiesen. Sie erfuhren, dass der Lockdown in Indien bevorstand und fuhren so schnell wie möglich nach Kalkutta. Dort schafften sie es, die Verschiffung ihres Vans nach Deutschland zu organisieren. Sie flogen mit dem nächsten Flieger nach Dehli und schafften es auf einen der Flüge nach Deutschland. Wir sind froh, dass es ihnen gut geht, können uns aber nicht vorstellen, wie sie sich jetzt fühlen müssen. Innerhalb von nicht einmal zwei Wochen haben sie sich entschieden, die Reise abzubrechen und nach Hause zu fliegen. Ihre Reise hätte noch ein halbes Jahr länger dauern sollen.

Wir besprechen, ob wir wirklich in Laos bleiben, oder doch lieber nach Hause reisen möchten. Wir ahnen, dass jetzt der Zeitpunkt für diese Entscheidung ist und wir die Wahl bald nicht mehr haben werden. Wenn wir nach Hause gingen, müssten wir das Auto irgendwo in Laos stehen lassen. Die Grenze zu Thailand ist mittlerweile kaum mehr passierbar und eine Verschiffung nach Europa somit nicht organisierbar. Zuhause müsste ich, Anja, mich wieder in der Schweiz anmelden und eine obligatorische Krankenversicherung abschliessen. Das würde mich ungefähr 500 CHF pro Monat kosten. Hinzu kämen noch die weiteren Lebensunterhaltskosten. Angenommen wir würden sechs Monate in der Schweiz feststecken, hätten wir wohl kaum mehr genügend Geld übrig, anschliessend mit dem Auto von Laos nach Hause reisen zu können. Auch ist es kaum möglich, in dieser Situation einen Job in der Schweiz zu finden. Ob wir in Laos oder in der Schweiz feststecken macht, abgesehen von der schlechten Gesundheitsversorgung, keinen grossen Unterschied. In der Schweiz dürften wir unsere Freunde und Familie nicht besuchen. Das wäre ein komisches Gefühl. Zurück zu sein, die Liebsten aber nicht treffen zu dürfen. Wir entscheiden uns, die Situation in Laos auszustehen.

Später am Abend lesen wir, dass Laos einen Einreisestopp verhängt und alle Schulen geschlossen hat.

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