Corona Tagebuch 2 – Das Virus ist in Südostasien

Anfang – Mitte März 2020

Das Leben in Vang Vieng verläuft normal. Ausser einigen Laoten trägt niemand einen Mundschutz. Asiaten tragen den Mundschutz aber oft wegen der Luftverschmutzung oder wenn sie eine Erkältung haben, um andere nicht anzustecken. Das Bild eines Asiaten mit Mundschutz ist uns also keineswegs fremd und beeindruckt uns wenig. Langsam trudeln bei uns die ersten Informationen aus der Schweiz über die ersten offiziell Infizierten ein. Wir werden oft gefragt, wie das Leben in Laos sei. Während sich viele Leute in der Schweiz in Selbstquarantäne begeben, verläuft das Leben in Laos normal weiter. Wir gehen in Bars, in Restaurants und sogar an eine Technoparty. Fieber gemessen oder desinfiziert wird nirgends. Corona ist kein Thema und offiziell gibt es keine Infizierten in Laos.

In den Nachbarländern Thailand und Vietnam wird Corona allmählich thematisiert. Wir hören, dass in Vietnam der Zutritt für Ausländer in Hotels und Restaurants öfters verweigert wird. Angeblich seien Europäer schuld und würden das Virus einschleppen. Viele europäische Touristen fühlen sich in Vietnam nicht mehr wohl. Thailand beginnt ebenfalls, Beschränkungen einzuführen. Unser österreichischer Freund Roman und seine Freundin Zofia sind zu dieser Zeit in Kambodscha und fahren so schnell wie möglich nach Thailand. Adrian und Roxana aus Rumänien mit ihren beiden Kindern sind in Laos und gehen zurück nach Thailand. Während Roman und Zofia sich ein gemütliches Plätzchen auf der Insel Koh Chang in Thailand suchen und dort die Situation ausstehen wollen, wollen Adrian und Roxana eine Möglichkeit finden, ihren Bus nach Europa zu verschiffen und mit der Familie zurück nach Rumänien zu fliegen. Es gelingt ihnen, ihr Auto nach Europa zu verschiffen und die ganze Familie findet einen Flug zurück nach Rumänien.

14. März 2020

Am 14. März 2020 fahren wir in die Hauptstadt von Laos, Vientiane. Wir wollen dort unsere Visa und das Temporary Import Permit für das Auto verlängern lassen. Weil die Tage mittlerweile sehr heiß sind, gönnen wir uns ein Hostel mit Klimaanlage. Wir fahren das erste Hostel an, von welchem wir wissen, dass es einen sicheren Parkplatz für Rosie hat. Wir suchen die verantwortliche Person und fragen, ob es noch ein freies Zimmer gibt. Der Mann meint nur «no, no». Wir bleiben etwas verdutzt zurück. Gemäss booking.com sollte es noch viele freie Zimmer in diesem Hostel geben. Möchte er uns vielleicht nicht als Gäste, weil wir Europäer sind und er Angst vor Corona hat? Ist das vielleicht ein Vorgeschmack darauf, was uns noch erwarten wird? Wird die Situation in Laos ähnlich wie der in Vietnam?

Wir suchen weiter. Doch die günstigen Hostels mit Parkplätzen sind ausgebucht. So fahren wir ein Hotel an, welches gemäss Satellitenbild direkt vor dem Hotel einen Parkplatz haben könnte. Bingo, die nette Dame meint, wir dürfen Rosie direkt vor dem Hotel parken. Von der Rezeption aus sieht man durch eine Glaswand direkt auf den Parkplatz. Wir sind damit einverstanden und wähnen das Auto dort in Sicherheit. Das Zimmer kostet uns gerade einmal 10 CHF und wir buchen drei Nächte. Die Klimaanlage läuft auf Hochtouren und wir geniessen die angenehme Frische.

15. März 2020

Offiziell gibt es in Laos noch immer keine Infizierten. Die meisten Laoten tragen einen Mundschutz. Die Europäer verzichten noch darauf. Wir verbringen viel Zeit in unserem Hotelzimmer. Für grosse Ausflüge sind wir bei dieser Hitze sowieso zu träge. Die Temperaturen steigen mittlerweile auf über 35 Grad. Wir organisieren unsere Visaverlängerung und treffen zufälligerweise Saras und Jean Claude. Sie sind ein älteres Paar, die mit ihrem Truck die Welt bereisen. Gestartet sind sie in Indien, wo sie den Truck gekauft und selber zum Camper umgebaut haben. Saras ist aus Mauritius und Jean Claude aus Frankreich. Sie wollen den Norden von Laos bereisen und wir eher etwas südlich fahren. Wir beschliessen, in Kontakt zu bleiben.

16. März 2020

Am nächsten Morgen holen wir die Pässe wieder ab. Unsere Visa wurden um 30 Tage verlängert. Anschliessend fahren wir zur laotisch-thailändischen Grenze, wo wir unser Temporary Import Permit für Rosie um einen Monat verlängern können. An der Türe des Büros steht, man solle bitte eine Maske tragen. Wir haben unsere nicht dabei. Wir wagen uns ohne rein und werden nicht abgewiesen. Von nun an müssen wir uns wohl an das Tragen der Masken in der Öffentlichkeit gewöhnen. In Vientiane gehen wir Abends in Restaurants essen. Es hat nicht mehr viele Touristen, denn die Hauptsaison ist schon vorbei. Die Abstandsregel von zwei Metern können wir deshalb gut einhalten. Wir waschen uns regelmässig die Hände mit Seife oder desinfizieren sie, sofern waschen nicht möglich ist. Wir fühlen uns sicher.

In diesen Tagen nehmen wir Kontakt mit Léa und Melvin auf. Sie sind aus Frankreich und seit etwa sechs Monaten mit ihrem Van unterwegs. Wir wollten sie schon früher in Thailand treffen. Wir beschliessen, dass wir uns in der Natur treffen, wo wir einige Zeit bleiben möchten.

Wie üblich gehen wir in Vientiane zu unserem Lieblingsbäcker. Er ist Deutscher und lebt seit über zehn Jahren in Laos. Sein Brot ist handgemacht und schmeckt ausgezeichnet. In seiner Bäckerei treffen wir Sandra. Sie ist Schweizerin und lebt ebenfalls in Laos. Sie erzählt uns, die Schule ihrer Kinder sei seit heute geschlossen. Wir verstehen: Das Thema Corona kommt in Laos an. Wir tauschen die Nummern aus, damit sie uns auf dem Laufenden halten kann. Am gleichen Tag entscheiden wir uns, in den Supermarkt zu fahren und uns mit den nötigen Essensvorräten einzudecken. Wir kauften viel Reis, Nudeln, Haferflocken, Tomaten in Dosen und Butter.

Auf Facebook lesen wir, dass der Krankenversicherungsschutz aufgrund der weltweiten Pandemie bei Auslandsversicherungen aufgehoben werden könnte. Ich, Anja, bin bei Hansemerkur in Deutschland versichert und mache mir Sorgen, was wohl ist, wenn ich keine Krankenversicherung mehr habe. Müssen wir die Reise nun abbrechen und in die Schweiz zurückkehren? In Laos zu bleiben wäre uns wahrscheinlich aufgrund meiner chronischen Krankheit zu riskant. Schnell kommt von Hansemerkur die Entwarnung. Der Versicherungsschutz bleibt trotz Pandemie weiterhin bestehen. Zusätzlich klären wir mit der Rega ab, ob sie die Möglichkeit haben, uns bei einem medizinischen Notfall auch während der Pandemie in die Schweiz zurückzufliegen. Unter gewissen Bedingungen ist ihnen dies tatsächlich möglich. Wir sind erleichtert, denn die Gesundheitsversorgung in Laos ist schlecht. Im Norden haben wir viele «Spitäler» gesehen, die den Namen nicht verdient haben. Es sind Holzverschläge auf Stelzen und die Wartezimmer befinden sich oft draussen auf der Veranda. Die deutsche Botschaft rät davon ab, in ein öffentliches Spital in Laos zu gehen. Mit der Krankenversicherung und der Rega fühlen wir uns aber soweit in Sicherheit.

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