Entspannen in der ehemaligen Party Hochburg Vang Vieng

Auf dem Weg nach Vang Vieng schliefen wir in der Nähe eines kleinen Dorfes an einem halb ausgetrockneten Fluss. Wir kamen am Nachmittag an und trafen wenige, freundliche Leute, die fischten, sammelten oder Holz hackten. Der Ort war ruhig und sehr idyllisch. Unser erster Platz zum Wildcampen in Laos gefiel uns gut. Am Morgen wurden wir mit einem wundervollen, mystischen Sonnenaufgang überrascht.

Nach dem Frühstück fuhren wir weiter nach Vang Vieng. Das Dorf liegt umringt von bewaldeten Karstfelsten an einem Fluss und war früher für seine Party Exzesse berühmt. Es sei früher die Stadt mit den wildesten Parties in ganz Asien gewesen. Drogen (Marihuana, Opium …) seien einfach zu bekommen gewesen. Am Fluss wurde Tubing angeboten bei dem man mit einem Traktorreifen dem Fluss entlang trieb. Entlang des Flusses habe es unzählige Bars, an denen man einen Halt einlegen konnte, gehabt. Im Jahre 2011 erlangte das Tubing einen tragischen Höhepunkt. In dieser Saison starben angeblich mindestens 27 Leute im Fluss, wohl weil sie zu viel Alkohol und Drogen konsumiert hatten. Die Regierung griff durch und schloss die meisten Bars am Fluss. Der Reiseführer Lonely Planet schreibt, Vang Vieng habe sich neu erfunden und sei nun für Familien ausgerichtet und betreibe Ökotourismus. Wir waren gespannt, was uns erwarten würde.

Wir fanden ein am Fluss gelegenes Bungalow «Resort». Dort gab es zu unserem Glück auch Lowbudget Bungalows mit geteilten Badezimmern. Vor diesen Bungalows war eine grosse Wiese mit einigen Bäumen. Die Besitzer erlaubten uns, auf der Wiese zu campen und die Badezimmer zu benutzen. Nach Verhandeln bezahlten wir 5 CHF pro Nacht. Wir hatten eine wunderschöne Aussicht direkt auf einige Karstfelsen und morgens und abends landeten jeweils Heissluftballone vor uns am Fluss. Die Sanitären Anlagen waren alt und wurden nur oberflächlich geputzt. Für 5 CHF waren wir aber vollends zufrieden. Morgens ab 7:00 Uhr lief aus den Lautsprechern Musik und anschliessend wurden Reden geschwungen. Dies dauerte rund eine Stunde und wird wohl mit dem Kommunismus in Laos zu tun haben.

Wir fühlten uns so wohl in diesem Dorf, dass wir uns eine Woche einquartierten. Tagsüber, wenn es heiß war, blieben wir bei Rosie auf der Wiese. Marco musste ein wenig arbeiten und Anja nutze die Zeit, um zu Lesen und den Blog auf Vordermann zu bringen. Gegen Abend liefen wir die wenigen Minuten zu Fuss ins Dorf und trafen uns mit Adrian, Roxana und ihren beiden Kindern. Sie sind aus Rumänien und reisen seit etwas mehr als zwei Jahren mit ihrem Bus durch Asien. Wir haben sie in Thailand kennengelernt und in Vang Vieng wieder getroffen. Es war schön, einen geregelten Tagesablauf zu haben und Abends mit Freunden abzumachen.

Das Dorf zu beschreiben ist schwierig. Am Strassenrand stehen unzählige kleine Stände, an denen Laotinnen Sandwichs, Burgers und Crepes in diversen Varianten anbieten. Im Dorf gibt es viele Bars, Restaurants und Hotels. Einige davon stehen leer und werden zum Verkauf angeboten. Viele werden kaum besucht und wenige haben viele Kunden. Waren vor 2011 in diesem Dorf wohl viel mehr Party Gänger unterwegs? Wir haben Mitleid mit den Einwohnern, die teilweise kaum mehr vom Tourismus hier leben können. Eine Partyszene gibt es zwar noch, aber ausgelegt ist das Dorf für viel grössere Massen. Abends schlenderten wir jeweils durch die Gassen. Diverse Bars boten uns gratis Shots, Biere und Drinks an.

Die Preise waren günstig. Am ersten Abend assen wir bei Victors Place. Wir sassen gemütlich auf erhöhten Podesten im Schneidersitz an einem tiefen Tisch auf abgerockten Matratzen und Kissen. Auf dem grossen Flachbildschirm lief «Friends» in Dauerschleife. Das Essen und das Bier war günstig. Gerichte waren ab 1.50 CHF und das grosse Beerlao für 1.20 CHF erhältlich. Am zweiten Abend hatten wir Lust auf westliches Essen und verabredeten uns bei Garry’s im Irish Pub. Stuart, der mit dem Motorrad in Asien unterwegs war, gesellte sich zu uns. Ihn hatten wir ebenfalls schon in Thailand kennengelernt. Bei Garry’s bezahlten wir für zwei Veggieburger, ein Knoblauchbrot, drei Cocktails und zwei grosse Bier lediglich 15 CHF. Wir sind froh, dass unser Geldposten nach dem langen Aufenthalt im teureren Thailand, weniger belastet wird und wir uns wieder Vieles gönnen können. Sind uns aber bewusst, dass die tiefen Preise nur deshalb möglich sind, weil die laotische Bevölkerung arm ist. Viele Laoten müssen von 1 $ am Tag leben. Am dritten Abend entdeckten wir das laotische Restaurant Laung Xai Kham, das viele vegetarische Optionen anbot. Wir assen zwei frische Nudelsuppen, die mit viel frischen Kräutern serviert wurden und tranken zwei grosse Beerlao und ein Sprite. Zu Buche schlug dies mit lediglich 5.50 CHF. Frisch gemachte Fruchtshakes gab’s ab 0.50 CHF. Wir kamen noch einige Male zu diesem Restaurant zurück.

Nach einigen Tagen entschieden wir uns, das berühmt berüchtigte Tubing, welches immer noch angeboten wurde, auszuprobieren. Wir wurden beim Hotel abgeholt und zu einem Fluss gefahren. Schon beim Einstieg sahen wir auf der anderen Seite des Flusses die erste Bar. Während wir langsam auf die Bar zutrieben, wurden die Barkeeper auf uns aufmerksam und warfen uns ein Seil zu. Wir zogen uns ans Ufer und kletterten Holzleiter zur Bar hoch. Wir waren die ersten Gäste. Es war zwar erst knapp 12:00 Uhr, trotzdem begannen wir mit dem Biertrinken. Wir wurden mit lauter Technomusik zugedröhnt und von jungen Europäern in knalligen Leggins bedient. Allmählich trudelten mehr Leute ein und es bahnte sich eine Party an. Wir blieben etwas länger als geplant und liessen uns dann zur nächsten Bar treiben, die nur wenige Minuten entfernt war. Dort assen wir erst zwei Sandwich und tranken dann nochmals ein Bier, bevor wir beschlossen, weiter zu gehen. Es läge noch eine etwa dreistündige Flussfahrt vor uns und die Sonne war schon hinter den Hügeln verschwunden. Nach etwas Treiben riefen uns am Flussufer Laoten zu, wir könnten auch von hier mit ihnen zurück ins Dorf fahren. Ansonsten müssten wir noch mit etwa zwei Stunden rechnen, bis wir im Dorf ankämen. Wir hatten genug und nahmen das nette Angebot gerne an. Etwas unterkühlt fuhren wir mit dem netten Herrn zurück ins Hotel. Wir hatten Spass, können uns aber gut vorstellen, dass dieses Abenteuer gefährlich werden könnte.

Bars gab es vier am Flussufer und alle befanden sich am Anfang der Strecke. Man munkelte, die Bars, die offen seien, würden Polizisten gehören. Marihuana und Lachgas wurde weiterhin angeboten, womit wohl auch viel Geld gemacht wird. Wir hörten, dass es im Dorf gewisse Bars gäbe, in denen man Drogen konsumieren könne, weil sie korrupte Polizisten bestächen. Würde man ausserhalb dieser Bars Drogen konsumieren, sei die Chance gross, dass ein korrupter Polizist einem den Pass abnehme und 500$ für dessen Herausgabe verlange.

Vang Vieng hat in der Umgebung viel zu bieten. So gibt es Aussichtspunkte auf den Hügeln, Wasserfälle und Höhlen. Wir entschieden uns aber, weiter Richtung Norden zu ziehen. Wir wollten einen Loop durch Laos Norden machen, um dabei einiges über Laos tragische Vergangenheit zu lernen. Auf dem Weg Richtung Süden, werden wir nochmals an Vang Vieng vorbeikommen und haben dann Zeit für die weiteren Attraktionen.

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