Der geheime Krieg in Laos – ein Abstecher in den unberührten, hügeligen Norden (1)

Laos war früher in die französische Kolonie Französisch-Indochina eingegliedert. Im Jahre 1954 erlangte Laos die Unabhängigkeit. Während des Vietnamkrieges war Laos neutral. Es gab keine offizielle Kriegserklärung der Vereinigten Staaten an Laos und es war während des Vietnamkriegs ein Nebenschauplatz. Die lange Grenze zu Vietnam und die Versorgung der Vietcong über den Ho-Chi-Minh-Pfad, der teilweise über laotisches Gebiet führte, wurden Laos zum Verhängnis. Die CIA führte in den 1960er und 1970er Jahren durch eine geheime, von ihr selbst aufgestellte Armee aus Mitgliedern verschiedener Bergstämme in Laos von Long Cheng aus einen bis heute weitgehend unbekannten Krieg. Die ersten fünf Jahre wusste nicht einmal der US-Kongress von diesem geheimen Krieg. Es war ein Krieg, bei dem es vor allem Verlierer gab und der grösste war das laotische Volk. Insgesamt haben die USA zwei Millionen Tonnen Bomben über Laos abgeworfen, darunter 270 Millionen Streubomben und das in mehr als 530’000 Fliegerangriffen während knapp 10 Jahren. Das macht ungefähr 150 Bomben pro Tag; alle acht Minuten ein Angriff über ein Land mit der etwa gleich grossen Bevölkerung wie der Schweiz. Laos gehört zu den am schwersten bombardierten Ländern der Welt. Trotzdem wurden bis heute keine Reparationszahlungen geleistet.

In Laos regiert heute die marxistisch-leninistische Laotische Revolutionäre Volkspartei. Es ist ein Einparteienstaat und damit einer der fünf Staaten auf der Welt unter Führung einer kommunistischen Einheitspartei, die den Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen zwischen 1989 und 1991 überdauert haben.

Von Vang Vieng aus fuhren wir in etwa sechs Stunden zu einem gemütlichen Platz an einem fast ausgetrocknetem Wasserfall in der Nähe von Phonsavan. Auf dem Weg dorthin bemerkte Marco beim Fahren, dass etwas mit den Bremsen nicht stimmte. Er musste das Bremspedal immer weiter durchdrücken. Wir blieben deshalb zwei Nächte an diesem Platz und Marco machte sich mit Hilfe des Werkstatthandbuchs für unseren Land Rover Defender über die Bremsen schlau. Schritt für Schritt folgten wir der Anleitung und siehe da, die Bremsen funktionierten danach einwandfrei. Es scheint, als ob die Mechaniker in Vientiane nicht sauber gearbeitet hatten und beim Wechsel der Bremsflüssigkeit Luft ins System kam.

Unser Schlafplatz war umgeben von den geheimnisvollen «Ebenen der Tonkrüge». Drei, zum Teil weitläufige, Ebenen von über 90 Stellen sind für Touristen zugänglich, da sie von nicht explodierten Bomben geräumt wurden. Verteilt auf diesen Gebieten stehen Hunderte von Krügen. Wozu sie gedient haben und woher sie kommen, weiss keiner mit Sicherheit. Klar ist, dass sie von Menschenhand aus Stein, und nicht aus Ton, gemacht wurden. Sie sind bis zu drei Meter hoch und wiegen bis zu 6 Tonnen. Die Krüge seien bis zu 2000 Jahre alt. Eine Theorie geht davon aus, dass sie als Grabstätte oder zu Begräbnisritualen eingesetzt wurden, weil Knochen gefunden wurden. Bis anhin ist jedoch nicht geklärt, wozu die Krüge tatsächlich gedient haben. Wir haben uns zwei der drei Ebenen angeschaut, Nummer 3, die kleinere in Mitten von Reisfeldern, und Nummer 1, die Grosse, auf einer weiten Wiese mit einer Höhle, wo sich Leute bei Bombenangriffen versteckten. Einige Bombenkrater sind gut erkennbar und lassen den Schrecken jener Zeit erahnen. In der Nähe befindet sich ein Dorf, das sogenannte «Spoon Village», in welchem die Bewohner aus den Bomben Löffel und weitere Souvenirs herstellen und diese dann an Touristen verkaufen. Wir fuhren durchs Dorf und liessen uns von einem Dorfbewohner die Produktion erklären. Seit jenem Tag hängt in unserem Auto ein Peacezeichen-Anhänger gefertigt aus Bombenteilen.

Wir hörten und lasen, dass die damals geheime CIA Airbase in Long Cheng, von wo aus Bombenangriffe während des Vietnamkriegs gestartet wurden, besichtigt werden könne. Wir versuchten den Flughafen schon von der Hauptstadt Vientiane aus zu erreichen. Nach etwa einer Stunde Fahrt durch den Dschungel wurden wir jedoch an einem Polizeiposten angehalten und zurückgeschickt. Wir dachten, es hänge wohl mit der nahegelegenen Goldmine zusammen, die von Chinesen betrieben wird. Erst später lasen wir, das Gebiet sei nicht sicher wegen aufständischer Gruppen. Von unserem gemütlichen Schlafplatz am Wasserfall nahmen wir den Weg ein zweites Mal in Angriff. Er führte uns mehrere Stunden immer weiter auf schlechten Strassen in tiefesten Dschungel hinein. Die Piste war wohl die staubigste, die wir je gefahren sind. Schlamm und Matsch verwandeln sich bei Trockenheit in ganz feinen Staub und hier gab es während der Regenzeit wohl viele Erdrutsche und Schlammlawinen. Denn wir fuhren streckenweise durch Zentimeter dicke Staubschichten. Die Aussicht auf die bewaldeten Karstberge und den Dschungel war atemberaubend. Je weiter wir kamen, je inniger hofften wir, dass wir nicht doch noch an einem Checkpoint zurückgeschickt würden. Wir passierten zwei verlassene Checkpoints und erreichten schliesslich nach etwa fünf Stunden Autofahren das Dorf Long Cheng inmitten des Dschungels. Wir waren erstaunt über die Grösse des Dorfes, konnten uns aber gut vorstellen, dass die Abgeschiedenheit beim Verstecken gut half. Inmitten des Dorfes befindet sich die alte Flugbahn, ein surreales Bild. Wir machten einige Fotos, liessen das Bild auf uns wirken und machten uns wieder auf den Rückweg zu unserem gemütlichen Plätzchen am ausgetrockneten Wasserfall. Vom ehemaligen Flughafen aus weiterfahren war keine Option, weil wir dann wieder auf den gesperrten Strassenabschnitt getroffen wären.

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